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Welche prothetischen Parameter müssen umgesetzt werden, um die Kaueffizienz wieder herzustellen?

von Prof. Dr. Gregor Slavicek
15. September 2021

Welche Berücksichtigung das Kauen und die Kauleistung bei Zahnärzt*innen findet, wollte Orehab Minds in der Umfrage „Kaueffizienz in der Praxis messen“ wissen. Dabei wurden unterschiedlichste Methoden genannt, die sie zur Bestimmung der individuellen Kauleistung der Patient*innen verwenden: in erster Linie sind dies die Anamnese bzw. Fragebögen, Okklusionsanalyse mit Okklusionsfolien, Studienmodelle und dynamische Erfassung der Unterkieferbewegungen. Alle Teilnehmer*innen (unabhängig von der Berufserfahrung) waren sich einig, dass die Bestimmung der Kaueffizienz in der Praxis wichtig sei und dass, ebenfalls unabhängig vom Alter, der Einsatz eines objektivierbaren standardisierten Kautests in Praxis sehr sinnvoll sei. Sämtliche Befragten waren am Thema Kauen interessiert. Die häufigsten Rückmeldungen dazu betrafen einerseits das praxistaugliche Testverfahren CHEW von Orehab Minds, andererseits die therapeutischen Konsequenzen.

 

Welche prothetischen Parameter müssen umgesetzt werden, um die Kaueffizienz wieder herzustellen?

 

Dazu müssen wir zunächst einen einzelnen Kauzyklus betrachten: Der erwachsene Mensch öffnet den Mund ohne wesentlichen Seitversatz, wobei das Ausmaß der Öffnung von der Größe des Nahrungsbolus abhängig ist. Die beiden Kiefergelenke befinden sich in einer nahezu symmetrischen anterioren Position. Der Speisebolus wird nun auf der Kauseite zwischen den Zahnreihen positioniert. Die Kauseite wird auch als die Arbeitsseite (working side) bezeichnet. Die Zähne des Unterkiefers auf der Arbeitsseite werden sich in Folge nach hinten und außen bewegen. Dabei führen die Kiefergelenke völlig unterschiedliche Bewegungen aus: auf der Arbeitsseite zurück Richtung Fossa, also Richtung der sogenannten Zentrik; auf der Nicht-Arbeitsseite (non-working side oder balancierende Seite) erfolgt hingegen weitere exzentrische Bewegung nach vorne und innen. Schlussendlich befinden sich die okklusalen Strukturen der Molaren auf der Arbeitsseite hinten, unten und außen, in Relation zu den Oberkiefermolaren. Aus dieser Position heraus erfolgt nun die kurze Bewegung, die zur Zerkleinerung der Nahrung führt, die okklusale Phase des Kauzyklus. Dabei werden die Höcker der unteren Molaren nahe an die Höcker der oberen Molaren vorbeigeführt und die Nahrung zerkleinert.

 

Aus dieser sehr verkürzt dargestellten Dynamik kann abgeleitet werden, dass es erforderlich ist, Zahnstrukturen nahe aneinander vorbeizuführen. Selbstverständlich ist eine gute okklusale Zentrik ein wichtiger Faktor, aber eben kein Garant für Kaueffizienz. Um Kaueffizienz in der Prothetischen Rehabilitation zu erzielen, sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Eindeutige 1:2 Verzahnung von bukkal, 1:1 Verzahnung von lingual
  • Gut und deutlich ausgeprägtes Kauflächenrelief
  • Okklusionsebene nach hinten und oben ansteigend
  • Sagittale Krümmung der Okklusion, nach ihrem Beschreiber Spee-Kurve genannt 
  • Transversale Ausrichtung der Zähne, nach ihrem Beschreiber Wilson-Kurve(n) genannt
  • Vertikale Dimension der Okklusion

Umgekehrt können wir auch jene Punkte auflisten, die die Kauleistung herabsetzen:

  • Runde, flache oder keine Höcker
  • Eine Okklusionsebene, die nach hinten und unten abfällt
  • Eine Okklusionsebene, die geknickt ist (zum Beispiel durch das Kippen der hinteren Zähne in eine Extraktionslücke)
  • Eine Anordnung der Zähne ohne sagittale Kompensationskurve nach Spee 
  • Eine Anordnung der Zähne ohne Berücksichtigung der erforderlichen transversalen Einstellung
  • 1:1 Aufstellung der Zähne von bukkal, 1:2 Aufstellung der Zähne von lingual
  • Abgesunkene Vertikale der Okklusion

Es stellt sich natürlich die Frage nach der praktischen Umsetzung: Prothetik und insbesondere Okklusion müssen geplant werden, und zwar bevor Zähne präpariert werden. Okklusion ist keine biologische Struktur mit Anpassungsfähigkeit, sondern ein höchst präzises Werkzeug, welches gestaltet werden muss. Das präzise Planen und die bestmögliche Umsetzung können wir aus mathematischen Zusammenhängen ableiten. Aber auf dieses Thema werden wir in einem der folgenden Wissensartikel ausführlich eingehen. 

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